Gestern sind Sebastian, Julian (ein Kumpel von Sebastian) und ich von unserer "Tour de la Nouvelle-Calédonie" zurück gekommen, bei der wir die Insel in 7 Tagen umrundet haben. Um das ganze zu verdeutlichen gibt es wieder eine Karte (man bemerke den Fortschritt im Vergleich zu den letzten Karten):
Die Farben stellen die einzelnen Tage da, wobei wir manche Straßen eben auch zurück gefahren sind, dort mischen sich leider die Farben.
Aber gut. Los geht der Bericht schon vor dem Start der Tour:
Tag -1: Einen Tag vor der geplanten Abfahrt haben wir unser Leihauto abgeholt und es ging auf Großeinkauf, man weiß ja nicht wie gut und wann man im Norden der Insel an Essen kommt. Beim allerletzten ausparken ist uns leider die Frau vom Parkplatz gegenüber an unser Auto gefahren. Immerhin hat sie gleich eingesehen, dass es ihre Schuld ist. Trotzdem musste der "Europäische Unfallbericht" ausgefüllt werden. Ein äußerst dämliches Dokument wie sich später noch herausstellen soll. Dieser wurde vor Ort nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt und nach einem Telefonat mit der Autovermietung sollten wir den Bericht "nur noch schnell am nächsten Morgen abgeben".
Danach lagen meine Nerven eigentlich schon blank, mir ist 1) noch nie jemand ans Auto gefahren, wir wussten alle drei nicht, was zu tun ist, 2) erst recht nicht, an einen Mietwagen und 3) schon gleich gar nicht in Frankreich! Der einzige Hoffnungsschimmer: Die Schuldige ist bereit alles über ihre Versicherung laufen zu lassen.
Tag 0: Wie die Zählweiße schon ankündigt: Es war nicht ein "kurz den Bericht abgeben und dann los fahren". Die Dame von der Vermietung hat sich nämlich diesen Unfallbericht angeschaut und festgestellt "ein kleines Kreuz zu viel wurde gemacht, weshalb die Versicherung wahrscheinlich entscheidet, dass wir zur Hälfte Schuld sind" und damit auch die Hälfte zahlen müssen. Völlig egal, was wer sagt und wer die Schuld eingesteht... Also musste der Bericht noch einmal ausgefüllt und von allen Parteien unterschrieben werden... Die Abfahrt verschob sich also um einen Tag um nachmittags die neue Unterschrift der Gegenpartei einzuholen. Immerhin: Jetzt habe ich gelernt 1) was zu tun ist, wenn jemand an mein Auto fährt, 2) selbst wenn es ein Mietwagen ist, 3) auf was es bei diesem Bericht ankommt (die Kreuzchen und die Zeichnung!) und 4) alles aus französisch. Vor 4 Monaten war ich schon froh, wenn ich nicht Weichspüler, sondern wirklich Waschpulver gekauft haben... Man wächst mit seinen Aufgaben;) Ob wir zahlen müssen oder nicht, wissen leider immernoch nicht.
So, jetzt aber:
Tag 1: Nach einem weiteren morgendlichen Abstecher bei der Autovermietung um den neu ausgefüllten Unfallbericht dieses Mal wirklich "nur kurz abzugeben" und dem Kauf eines dritten "High-End-Schnorchel-Sets" geht's raus aus der Stadt. Wir beginnen mit der Westküste und lassen erstmal viele Kilometer zwischen uns und Nouméa.
Stopp 1: Voh. Es ist erst circa 13 Uhr und um die pralle Sonne zu vermeiden geht's ins Kaffeemuseum, welches nicht größer ist als ein Raum, aber trotzdem schön gemacht. In Neukaledonien wird nämlich auch Kaffee angebaut und wie ich hier erfahre sogar sehr guter. Den kann man in Nouméa leider nicht kaufen^^ Deshalb haben wir uns vor Ort eine Tasse gegönnt und ich konnte nicht anders und habe auch geshoppt.
Bekannt ist Voh aber für etwas anderes: Dort befindet sich nämlich das "Coeur de Voh". Das ist ein Herz, dass die Mangroven zufällig geformt haben. Es ist bekannt geworden, seit Yann Arthus-Bertrand es als Titelbild für sein Buch "Die Erden von oben" gewählt hat. Da der Helikopter-Flug das Budjet übersteigt, haben wir mit der Wanderung auf einen Aussichtspunkt vorlieb genommen. Die Fotos sind nicht ganz so schön, wie das im Buch, aber man erkennt es trotzdem:
Man erkennt leider auch, dass es schon wesentlich weniger deutlich ist, als es mal war. In ein paar Jahren wird es vielleicht nicht mehr zu sehen sein... Um es mit den Worten von Sebastian auszudrücken "seen it, been there, got the t-shirt".
Um noch ein bisschen Strecke zu machen ging es dann noch weiter bis Koumac, wo wir die Nacht verbrachten. Die Schnacken-Attacken während des Zelt-Aufbauens waren eindrucksvoll und ab sofort trage ich bei Dämmerungseinbruch nur noch Turnschuhe!
Tag 2: Auf geht's in den hohen Norden! Die Landschaft wird einsamer, die eingezäunten Grundstücke größer. Land scheint hier wenig zu kosten. Immer begleitet werden wir von den Hügeln in der Ferne. Insgesamt ist die Westküste für uns eine Mischung aus Outback mit Cowboy-Flair und ein bisschen Jurassic Park.
Mittagspause an einem Strand, der absolut betrachtet bestimmt wunderschön war, relativ zu den gesehen Stränden jedoch eher durchschnittlich. Trotzdem hatte ich Gelegenheit nochmal Fotos der hießigen Unterwasser-Welt aufzunehmen, ohne meine Kamera zu gefährden:
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| lustig geringelte Fische |
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| der war etwa so groß, wie 2 Hände |
Hier habe ich auch dieses Foto aufgenommen, was exemplarisch für den wirklich schlechten Umgang der Neukaledonier mit ihrer Insel steht: Müll jeglicher Art (viele Waschmaschinen) wird einfach irgendwo (nur weit weg der eigenen Behausung) abgeladen, anstatt umweltgerecht entsorgt...
Ebenfalls erwähnenswert sind die "4x4", rießige Autos wie man sie aus den USA kennt. Spritfresser sondergleichen, aber in Neukaledonien absolut in Mode. Jeder hat so ein Ding und die fahren damit wirklich ganz furchtbar! Wer einen im Rückspiegel sieht, fährt lieber gleich langsamer und etwas an den Rand, das macht das übholt-werden sicherer;)
Nachmittags kommen wir dann im "relais de Pointgame" an, welches erstaunlich voll ist. Sicher 20 Zelte sind auf dem Campingplatz. Von vielen Seiten wurde uns bereits empfohlen die tolle Küche dort zu probieren. Es gibt jeden Abend ein Menü und wir gönnen es uns:
Apéritif: Cocktail der aussieht wie Sangria, aber die Caipi schmeckt
Vorspeise: Kürbissuppe mit Krabben-Schaum
Hauptspeise: Span-Reh (sieht schon witzig aus;) ) mit Kartoffel-Schnitzen, Salat, Kochbananen und Seegras.
Nachspeise: Banen-, Mango-, Papayasalat mit Vanillesoße
Digestif: Zitronengras-Tee
Aus der Nacht lerne ich: Zelt nächstes Mal im Schatten aufstellen, wenn ich länger als bis 6 Uhr morgens schlafen will...
Tag 3:
Nach einem morgendlichen Bad im Meer, einer freiwilligen erfrischenden kalten Dusche und keinem so guten Frühstück ging es wieder "on-the-road". Nocheinmal ist Outback-Feeling zu genießen und schöne Aussichten sind zu bestaunen:
Auf dem Weg haben wir spontan eine kleine Wanderung durch den Dschungel eingebaut. Die "Kraxelei" wurde mit einer schönen Aussicht belohnt.
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| ein weiterer Ausflug in die spannende Tierwelt:) Bitten zoomen! |
In Neukaledonien wurde eine Flora bewahrt, die teilweise noch aus der Zeit der Dinos kommt. Dies ist ein Beispiel: Heutige Pflanzen bilden ihre Blätter immer paarweise, gegenüber voneinander. "Dino-Pflanzen" bilden Blätter wie eine Spirale:
Es geht über eine "Travers" an die Ostküste. Da es hier viel mehr regnet sieht es ganz anders aus. Viel grüner! Die Straße bis Hienghène führt uns durch viele Tribus. Links das Meer, rechts das Gebirge. Die Landschaft ist "wild-romantisch". Wir nutzen auch den letzten bleibenden "bac" von Neukaledonien, eine Art mini-Fähre, 24/7, kostenlos über einen Fluss.
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| hier ging's rüber mit dem "bac" |
Die Ostküste Neukaledoniens gehört zu Tsunami-gefährdetem Gebiet, worauf auch ziemlich oft hingewiesen wird:
Angekommen in Hienghène wird dann auch gleich der wichtigste Touri-Punkt gecheckt: Die "poule" (Henne) und die "Sphinx" von Hienghène. Steinformationen. Die poule beschützt schon seit Jahrhunderten die Bucht und die Kanaki vor bösen aus dem Meer.
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| poule |
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| Sphinx |
Tag 4: Nach der furchtbaren Nacht meiner Mitreisenden ("Wir haben nicht viel geschlafen, aber immerhin ganz schön schlecht") verbringen wir einen sehr entspannten Tag. Nach einer Stunde im Touri-Office sind wir gezwungen Mittagspause zu machen, weil das alle anderen auch machen:
"Gibt es einen Bäcker?"
-"Ja, aber der hat schon zu, alles verkauft"
"Gibt es einen Supermarkt?"
-"Ja, aber hat Mittagspause"
"Wie siehts aus mit Kanu-Verleih"
-"Ja, macht aber Mittagspause... und ach ja: Ich mach' jetzt auch Mittagspause, also raus!"
Tag 5: Aufstehen zur unchristlichen Zeit 5:30! Abfahrt 6 Uhr, denn da macht der Bäcker auf... tat er nicht! Wir haben vergessen: 6 Uhr heißt ja hier noch lange nicht 6 Uhr. Am Ende dann aber doch mit Baguette und gut gefrühstückt lade ich die Jungs zu ihrer Wanderung ab und widme mich meiner Tagesaktivität: Ausreiten mit einem Kanak als Führer. Morgens ging es durch die Tribus, ich hab' viel über die Kultur und Lebensweiße der Kanak erzählt bekommen (die haben teilweiße immernoch keinen Strom) und viele Pflanzen neu kennen gelernt oder zum ersten Mal live gesehen. So Litschi-Bäume zum Beispiel. Oder eine Kaki probiert. Es ging auch zwei Mal durch einen Fluss. Nachmittag gings dann ein bisschen in unbewohntes Gebiet um weiter Früchte zu probieren *miam*. Eine Frucht war folgende, von der ich keine Ahnung habe, wie sie heißt. Schmeckt ein bissschen wie Ananas:
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| der Kanaki-Führer |
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| irgendwo im Busch;) |
Abends wollten wir dann einfach mal wieder besser essen. Also kochen auf dem Feuer (sowie Schuhe und Socken trocknen):
Tag 6: Wieder ein Fahrttag. Eigentlich wollten wir nur bis Pointdimier, weil ich dort Tauchen wollte. Aufgrund von Übermündung wurde das dann abgesagt. Weil wir uns nicht einig wurden, was wir mit unserem letzten Tag anfangen der Masterplan: Wir machen einfach alles:) Dazu sind wir erstmal noch bis Bourail (wieder an der Westküste) gefahren und haben dort gecampt. Hier ist das Land der Cowboys von Neukaledonien.
Tag 7: Unser Mammut-Tag beginnt mit der Abfahrt vom Campingplatz um 7 Uhr früh. Erstes Ziel: Die "drei-Buchten-Wanderung" in Bourail selbst.
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| Bucht 1 |
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| La roche percée (der durchdrungene Stein) |
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| Bucht 2 "La baie des tortues" (die Bucht der Schildkröten) |
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| Bucht 3 "La baie des amoureux" (die Bucht der Verliebten) |
Um schließlich über die "route à horaire" (wieder Ostküste, auf der Karte in Hellblau)...
... wieder zurück nach Nouméa - Nouville "Heim" zu kommen.
Anstregend war's! Sehr sehr schön war's! :)
































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